Zitate von Dzongsar Jamyang Khyentse Rinpoche

"Als geschulter Buddhist bin ich (...) nicht ganz einverstanden, wenn der Buddhismus mit nichts anderem als mit Vegetarismus, Gewaltlosigkeit, Frieden und Meditation in Verbindung gebracht wird. Prinz Siddhartha, der alle Annehmlichkeiten und allen Luxus des Palastlebens opferte, muss nach mehr als nach Passivität und Grünzeug gesucht haben, als er sich aufmachte, Erleuchtung zu finden." 

"Jemand ist ein Buddhist, wenn er oder sie die folgenden vier Wahrheiten akzeptiert: Alle zusammengesetzten Dinge sind vergänglich. Alle Gefühle sind Schmerz. Alle Dinge haben keine eigenständige Existenz. Nirvana ist jenseits von Konzepten."

"Diese vier Aussagen, die vom Buddha selbst stammen, sind als die 'Vier Siegel' bekannt. Ein Siegel bezeichnet nach traditionellem Verständnis ein Kennzeichen, das die Authentizität von etwas bestätigt. (...)"

"Siddharthas vorrangiges Anliegen war es, zur Wurzel des Problems vorzudringen. Der Buddhismus hat keine kulturelle Bindung. Sein Nutzen ist nicht auf eine bestimmte Gesellschaftsform begrenzt, er hat keinen Platz in der Regierung oder in der Politik. Siddharta war nicht an akademischen Abhandlungen und wissenschaftlich beweisbaren Theorien interessiert. (...) Er wollte dem Leiden auf den Grund gehen."

"In vielerlei Hinsicht sind wir wie Siddhartha. Auch wenn wir keine Prinzen mit Pfauen sind, haben wir doch Karrieren und Hauskatzen und zahllose Verpflichtungen. Wir haben unsere eigenen Paläste - Einzimmerwohnungen in den Slums, Doppelhaushälften in den Vorstädten (...) Und die Dinge gehen ständig schief. Geräte gehen kaputt, die Nachbarn machen Ärger, das Dach leckt. Unsere Lieben sterben (...) Doch wir sitzen hier freiwillig fest und versuchen nicht etwa zu entfliehen. Vielleicht haben wir ja auch die Nase voll und denken: Jetzt reicht's! Also brechen wir die Beziehung ab - doch nur, um mit einer anderen Person alles wieder von vorn anzufangen. Wir werden dieses Kreislaufs nie überdrüssig, weil wir in der Hoffnung und dem Glauben leben, der perfekte Seelenpartner oder ein makelloses Shangri-la warteten da draußen auf uns."

"Siddharthas Erwachen aus der Illusion der Beständigkeit gibt uns Anlass, ihn als 'Buddha', den 'Erwachten', zu bezeichnen. Heute, 2500 Jahre später, erkennen wir, dass das, was er entdeckt und gelehrt hat, ein unschätzbarer Schatz ist, der Millionen von Menschen inspiriert hat (...) Andererseits, wäre Siddhartha heute hier unter uns, wäre er wohl ziemlich enttäuscht, weil nämlich der größte Teil seiner Entdeckungen brachliegt. Das liegt nicht etwa daran, dass unsere großartige moderne Technologie seine Erkenntnisse widerlegt hätte: Niemand ist unsterblich geworden. Jeder Mensch muss irgendwann sterben; schätzungsweise 250.000 Menschen tun dies jeden Tag. Dennoch sind wir noch immer schockiert und traurig, wenn ein geliebtes Wesen dahingeht, und wir suchen weiter nach dem Jungbrunnen oder einer geheimen Formel für langes Leben. (...)"  

"Prinz Siddhartha brauchte und wollte das Elixier der Unsterblichkeit nicht mehr. Durch die Erkenntnis, dass alle Dinge zusammengesetzt sind, dass die Dekonstruktion unendlich ist und dass keine der Komponenten der Schöpfung in einem autonomen, dauerhaften, reinen Zustand existiert, war er befreit. Alles Zusammengesetzte (mittlerweile wissen wir, dass das alles umfasst) und seine vergängliche Natur sind als eins miteinander verbunden, genau wie Wasser und ein Eiswürfel. Wenn wir einen Eiswürfel in unseren Drink geben, bekommen wir beides. Genauso sah Siddhartha, wenn er einen Menschen umherspazieren sah - auch wenn dieser noch so gesund war -, diesen Menschen gleichzeitig als lebendig und als in Auflösung befindlich. Sie denken vielleicht, das höre sich nicht gerade sehr lustig an, aber es kann ein erstaunliches Erlebnis sein, beide Seiten zu sehen. Das kann sehr befriedigend sein. (...) "

"Sehen wir die Dinge auf diese Weise, beginnen sie sich aufzulösen. Unsere Wahrnehmung der Phänomene verwandelt sich und wird in gewisser Weise klarer."

"Einer der Gründe für Mitgefühl ist, dass die Vergänglichkeit so offensichtlich ist und die Menschen sie doch nicht sehen."

 

Zitiert aus: Dzongsar Jamyang Khyentse: "Warum Sie kein Buddhist sind", 1. Auflage 2007, Windpferd Verlag - Edition Schneelöwe; aktuelle 5. Auflage erschienen 2013

 

Jamyang Khyentse Wangpo

1820 - 1892

Jamyang Khyentse Chökyi Lodrö

1896 - 1959

 

Die beiden Vorgänger der Tulku-Linie von Dzongsar Jamyang Khyentse