Stille Weisheitsmeditation

Zur Methode der "Stillen Weisheitsmeditation" oder "Heiter gelassenes Widerspiegeln im Samadhi des strahlenden Lichtschatzes", zusammengestellt auf der Grundlage traditioneller Texte bzw. Meditations-Übungen

Von Ani Karma Tsultrim

Diese Meditationsübung, die Stille Weisheitsmeditation, entstammt der ursprünglichen Darlegung des Buddha als eine Form der Jhanas, wie sie im Palikanon überliefert ist - nämlich die Praxis der Vertiefungen mit gleichzeitiger Aufrechthaltung klarer Bewusstheit. Sie findet sich in der Essenz auch im Shikantaza (= einfach nur Sitzen in reinem Gewahrsein) von Meister Dogen Zenji, der sie aus China nach Japan gebracht hat, und im „Samadhi des Strahlenden Lichtschatzes“ seines Nachfolgers Ejo Koun. Sie führt in der Nachmeditation zum reinen Gewahrsein des "Handelns ohne zu Handeln", des "Denkens ohne zu Denken" bzw. zu "spontanem Handeln im gegenwärtigen Augenblick". Dies entspricht dem Zustand von Mahamudra bzw. dem Rigpa-Gewahrsein im Dzogchen, obwohl im tibetischen Buddhismus die Übungsmethoden dafür zum Teil eine andere Form haben.

Die Methoden der Schulung unterscheiden sich dabei vom direkten Weg ohne Stütze oder mit wenigen einfachen Hilfsmitteln (Chan/Zen bzw. Shikantaza) bis hin zu einem Weg voller Ornamente und Methoden für das Geistestraining (tibetische Tradition).

Der Weg, wie ihn der Buddha gelehrt hat, ist der mittlere Weg zwischen beiden Extremen. Er besteht aus Schritten des Schauens in den Geist und dem Entspannen in reiner freudvoller Bewusstheit. Die einzelnen Schritte führen zur Stille des erwachten Geistes, der die Brahmavihara bedingungslos ausstrahlt: Liebende Güte, Mitleid bzw. Mitgefühl, Mitfreude und Glückseligkeit, Gleichmut bzw. unerschütterliche Stabilität des Geistes in seiner Essenz. Damit entfaltet der Praktizierende letztendlich das höchste Potential an überweltlicher Liebe, innerem Frieden und Weisheit, d.h. Wissen um die relative und absolute Realität durch innere Erfahrung, und erntet die Frucht der Einheit von Samatha und Vipassana.

Damit verwirklicht der Praktizierende auch auf ganz natürliche Weise das, was in den späteren Traditionen des Mahayana und Vajrayana als Bodhisattva-Ideal bezeichnet wird.

Die Methode des Schauens in den Geist kann folgendermaßen geübt werden:

Achtsamkeit auf Geistesregungen -->
Wahrnehmen der Geistesregung -->
Loslassen -->
Den Geist entspannen -->
Lächeln und natürliche Freude aufscheinen lassen -->
Zum Atem zurückkehren (mit 30 % der in den Geist gerichteten Achtsamkeit) + in reiner strahlender Bewusstheit verweilen (mit 70 % der in den Geist gerichteten Achtsamkeit)
Dadurch erfahren wir das Hier und Jetzt, den Fluss der unaufhörlichen Gegenwart.
Diesen Prozess wiederholen, sobald der stabile Zustand der Bewusstheit schwankt und neue Geistesregungen auftreten.

Zu den Geistesregungen gehören die Gedanken, aber auch Gefühle und Gemütsschwankungen, die durch Gedanken ausgelöst werden.

 

Diese Form der direkt auf den Buddha zurückgehenden Meditationsübung kann in dem Büchlein „Klare Quelle, Tiefer Fluss“ von Maha Thera Bhante Vimalaramsi studiert werden. Die oben aufgeführten Schritte sind eine Zusammenstellung auf der Grundlage dieser Ausführungen und meiner eigenen Erfahrungen durch die Zen- und Mahamudra-Übung.